18.10.2014

Betriebe sind froh über Azubis aus dem Ausland

Dimitar Doychev macht eine Ausbildung zum Bäcker bei der Bio-Bäckerei Wagner in Ruderting Foto: Jäger pnp

Betriebe sind froh über Azubis aus dem Ausland

Mehr als 300 Bewerber haben in Bayern eine Lehrstelle gefunden, sechs davon in Passau - "die wissen, was sie wollen."

Passauer Neue Presse, 18.10.2014 von Christina Fleischmann

Mehr als 1300 junge Menschen sind in diesem Jahr für eine Ausbildung nach Deutschland gekommen. Das sind dreimal so viele wie im vergangenen Jahr, teilt die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit mit, die die Auszubildenden nach Deutschland vermittelt. Diese stammen aus EU-Ländern wie Spanien, Portugal und Bulgarien, in denen sie kaum eine Chance auf Arbeit haben. In Bayern sind die Auszubildenden besonders gefragt, das Bundesland beschäftigt mehr als ein Viertel von ihnen. Sechs Lehrlinge sind in Passau gelandet. Fünf Spanier und ein Bulgare haben im September ihre Ausbildung als Köche, Bäcker und Fachinformatiker begonnen. "Ich bin sehr beeindruckt von den jungen Leuten", sagt Barbara Brauckmann von der Berufsakademie Passau (BAP), die die Auszubildenden an die Unternehmen vermittelt hat. Mit drei Mitarbeiterinnen betreut die Geschäftsführerin die Neuankömmlinge, kümmert sich um Unterkunft, Sprachunterricht und Förderungsanträge. Über das Programm MobiPro-EU erhalten die Lehrlinge finanzielle Unterstützung, etwa für Reisekosten und Deutschkurse. "Die jungen Leute sehen das als Chance und zeigen hohen Einsatz", sagt Brauckmann. Bevor die Auszubildenden nach Deutschland kommen, machen sie in ihrer Heimat einen achtwöchigen Deutsch-Intensivkurs. Um die Ausbildung beginnen zu dürfen, müssen sie einen Deutschtest sowie ein mehrwöchiges Betriebspraktikum erfolgreich absolvieren. Der Sprachunterricht läuft während der Ausbildung weiter. Etwa 70 Prozent der Auszubildenden, die nach Deutschland kommen, stammen aus Spanien. Dort liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei fast 54 Prozent. Auch Portugiesen, Bulgaren, Kroaten, Griechen, Ungarn, Schweden, Italiener und Polen erhalten die Förderung über MobiPro-EU. Die meisten machen eine Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe, doch auch im Bauhandwerk, in Gesundheitsberufen und in der Landwirtschaft absolvieren einige eine Lehre. "Oft sind das Berufe, die unsere jungen Leute nicht unbedingt machen möchten", sagt Brauckmann. Die Unternehmen seien deshalb froh über motivierte Bewerber aus anderen Ländern, auch in Passau. "Junge EU-Bürger als Auszubildende einzustellen ist ein Weg, wie Unternehmen dem Nachwuchsmangel in Deutschland begegnen können", sagt Monika Varnhagen, Direktorin der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit. Viele der Kandidaten haben schon Ausbildung oder Studium hinter sich, in ihrer Heimat aber trotzdem keine Arbeit gefunden. Die Hälfte der Bewerber ist älter als 25 Jahre. Das kann ein Vorteil sein, meint Brauckmann. "Die haben Erfahrung und wissen, was sie wollen." Auch im kommenden Jahr möchte die BAP wieder Auszubildende an Passauer Unternehmen vermitteln. Den Antrag auf die Förderung durch MobiPro-EU hat Brauckmann schon gestellt, Mitte November bekommt sie Bescheid. Einige Betriebe hätten schon angefragt, sagt die Geschäftsführerin. Und genügend Bewerber in Spanien gebe es auch.