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Die BAP

Die Pflege attraktiv machen

Pflegeschulen stehen in der Krise diversen Herausforderungen gegenüber

Foto: BAP

 

PNP - 23.03.2021

Von Daniela Stattenberger

Die Coronakrise trifft die Pflege hart, immer mehr Fachkräfte wollen ihren Beruf an den Nagel hängen, wie zuletzt der Pfleger-Weltverband warnte. Barbara Brauckmann, Geschäftsführerin der Berufsakademie Passau (BAP), und der Passauer Pflegeschulleiter Joachim Berga berichten, was trotz der aktuellen Lage den Pflegeberuf aus und schön macht. Vor allem auf digitalem Wege wollen sie den Schüler-Nachwuchs erreichen und die Attraktivität des Pflegeberufs aufzeigen. Und sie wollen künftig dazu beitragen, sprachliche Barrieren bei der Vermittlung von Schulstoff abzubauen.

So erarbeitet die BAP, finanziert vom Kultusministerium und in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität, sogenannte „sprachsensible Handlungszenarien“. Schülern mit Migrationshintergrund sollen dem Unterricht damit besser folgen können, erklärt Barbara Brauckmann. Darüberhinaus habe man den Internetauftritt der BAP-Schulen in den Sozialen Medien ausgebaut, mit Vorträgen und Podcasts zum Beispiel.

Der jährliche Informationsabend zur Nachwuchsgewinnung musste vergangene Woche ebenfalls digital stattfinden. Dazu gab es laut Brauckmann sogar eher mehr als weniger Anmeldungen im Vergleich zu den Vorjahren. „Die Hemmschwelle scheint für junge Menschen auf dem digitalen Wege niedriger zu sein. Sie bekommen dieselben Infos, können im Livechat Fragen stellen.“

Eine „Abschreckung“, den Pflegeberuf zu ergreifen, kann Joachim Berga wegen Corona beim potenziellen Pflegenachwuchs aktuell nicht feststellen. „Aber es gibt eine gewisse Neugier und immer wieder Fragen zu Corona.“

Mit der Corona-Pandemie sei immerhin eines deutlich geworden: der Pflegeberuf ist äußerst systemrelevant. „Der Pflegeberuf ist ein menschlicher, sozialer Beruf mit naturwissenschaftlichen Elementen, zum Beispiel aus der Medizin“, sagt Joachim Berga. Das mache ihn attraktiv. „Menschen, die Hilfe brauchen, glücklich zu machen, das macht einen außerdem selbst zufrieden.“

Diese positiven Seiten sprächen unabhängig eines etwaigen Tarifvertrages oder der Personalregelungen für den Pflegeberuf. „Aber natürlich: Es muss in der Pflege eine Personalaufstockung erfolgen. Das hat die Corona-Krise noch einmal sehr deutlich gemacht.“ Seit Jahrzehnten sei das Problem unter den Teppich gekehrt worden. Und: „Es braucht einen einheitlichen Tarifvertrag.“


Ausbildungspraxis leidet in der Corona-Krise

91 Schüler besuchen aktuell die Altenpflegeschule Passau, 38 die Altenpflegehilfeschule (davon 14 die Vorklasse für Migranten und Flüchtlinge). Die Pflegeschule Passau, die im vergangenen Jahr mit der Einführung der generalistischen Ausbildung zum Pflegefachmann/zur Pflegefachfrau, entstanden ist, zählt aktuell 40 Schüler.

Joachim Berga zeigt sich mit den Schülerzahlen zufrieden. Hinsichtlich der generalistischen Ausbildung zum Pflegefachmann/zur Pflegefachfrau könne er noch kein Fazit ziehen. Erst im zweiten Halbjahr stünden nun die ersten Pflichteinsätze außerhalb der Altenpflege, z.B. am Klinikum oder in der Pädiatrie an, erklärt er. Freilich aber habe sich die Corona-Pandemie auf die Ausbildung von Pflegefachkräften ausgewirkt. Vor allem auf die Praxis. „Die Qualität der praktischen Ausbildung leidet darunter, wenn in Einrichtungen durch die Infektionslage extremer Druck besteht. Da ist jede helfende Hand gefragt.“

Was die inhaltliche Vermittlung des Schulstoffs betreffe, komme man digital aber gut durch, so Berga weiter. „Ob jeder einzelne so intensiv wie im Präsenzunterricht erreicht werden kann, das bleibt allerdings die Frage.“ Praktische Unterrichtsinhalte würden entweder digital demonstriert oder für späteren Präsenzunterricht aufgehoben.

2020 hat es Leihgeräte für die Schüler, neue Dienstgeräte für die Lehrer und vieles mehr an den BAP-Schulen gegeben: „Wir sind sehr dankbar für die digitale Ausstattung, die wir in kürzester Zeit erhalten haben“, erklärt Brauckmann. Der Staat unterstütze mit umfangreichen Förderprogrammen, Fortbildungsangeboten und einer Hotline (PNP berichtete). „Wir haben die Pandemie als digitalen Katalysator erlebt“, ergänzt Berga. Was mit einem Horizont von drei bis vier Jahren geplant war, sei nun in etwa zwölf Monaten umgesetzt worden. „Mit den Erfahrungen, die wir jetzt gesammelt haben, werden wir in Zukunft weiter arbeiten.“ Denkbar sei zum Beispiel ein Livestream für die Schüler aus einer realen Pflegesituation heraus – unter Beachtung der Persönlichkeitsrechte, versteht sich. „Eine Besichtigung mit 20, 30 Schülern ist immer schwierig. Künftig könnte es reichen, wenn eine Person vor Ort ist und die Situation digital überträgt.“Auch im Fortbildungsbereich an der BAP wird der digitale Unterricht künftig Bestand haben, zumindest in Teilen in der Weiterbildung, berichtet Brauckmann. Bei der Vorbereitung auf die Kenntnisprüfung könnte man so beispielsweise die Reichweite der BAP vergrößern. Dann könnten ausländische Pflegekräfte bereits in ihrem Heimatland an Passauer Kursen teilnehmen.