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Die BAP

Kein Abschluss ohne Anschluss

pnp 05.11.2014 von Helmuth Preuß

Kein (Realschul-)abschluss ohne Anschluss. Unter diesem Motto stand der traditionelle Berufsinformationstag an der Niedernburger Realschule. Insgesamt zehn Weiterbildungsinstitute und Ausbildungsbetriebe waren an der Ortsspitze zu Gast und informierten die Mädchen aus den 9. Klassen über berufliche Perspektiven. Das Resümee von Beratungslehrerin Sylvia Breuherr: "Der Trend geht hin zu den Sozialberufen und zur schulischen Weiterbildung."
Groß war der Andrang am Stand der Berufsakademie Passau mit den Schulleitern Franz Müller für IT-Berufe (1.v.r.), Elke Kleinschmidt (4.v.r.) und Joachim Berga für die Altenpflege (6.v.r.) Foto: H. Preuß

Groß war der Andrang am Stand der Berufsakademie Passau mit den Schulleitern Franz Müller für IT-Berufe (1.v.r.), Elke Kleinschmidt (4.v.r.) und Joachim Berga für die Altenpflege (6.v.r.) Foto: H. Preuß

Die Zahlen der Arbeitsagentur sprechen für die Schulabgängerinnen der kommenden Jahre. So meldeten sich in diesem Herbst im Agenturbereich nur 2117 Ausbildungsplatzsuchende bei 3085 offenen Ausbildungsstellen an. Dennoch gibt es mehrere Ausbildungsbetriebe oder schulische Weiterbildungsangebote mit höherer Bewerberzahl als freien Plätzen. "Ein Problem ist nach wie vor, dass sich bei Mädchen kaufmännische und soziale Berufe besonderer Beliebtheit erfreuen, während Technik und Handwerk kaum Interesse finden", resümiert Sabine Farago von der Agentur für Arbeit. So gehörten laut offizieller Statistik neben dem Spitzenreiter "medizinische Fachangestellte" die Industrie-, Büro- oder Einzelhandelskauffrau zu den "Top Five" beruflicher Möglichkeiten. Interesse an Technikberufen findet man bei Mädchen trotz Girls’ Day oder Technikscouts auch heutzutage nur selten. Unter den "Top Ten" in diesem Herbst jedenfalls finden sie sich nicht. Hinzu kommt bei den Niedernburger Realschülerinnen ein reges Interesse an der schulischen Weiterbildung, insbesondere an der FOS, aber auch an verschiedenen Berufsakademien, für Hotel- und Tourismus-Management beispielsweise, aber auch für Sozialpädagogik oder Fremdsprachen. "Wir haben durchschnittlich etwa 50 Bewerbungen jährlich, können aber nur 30, 32 Bewerber nehmen", sagt etwa Robert Eberle von der Berufsfachschule für Hotel und Tourismus in Waldkirchen. Bei der Vorauswahl spielten die Noten natürlich eine gewisse Rolle, mehr allerdings das Gesamtnotenbild als bestimmte einzelne Fächer. Auch die Zeugnisbemerkung gebe Aufschluss über die Persönlichkeit eines Bewerbers. Werde jemand dann zum Vorstellungsgespräch eingeladen, empfiehlt sich eine Vorbereitung darauf per Homepage oder auch eine bestimmte Zielrichtung eigener Vorstellungen, gibt Eberle konkrete Tipps. Ähnliches berichtet Gertraud Fuchsberger-Zirbs von der Fachakademie für Sozialpädagogik in Passau. Bei etwa 60 bis 80 Bewerbungen jährlich könne man nur rund 30 Bewerber annehmen, sagt sie. Die Noten in Deutsch und Englisch spielten bei der Vorauswahl naturgemäß eine gewisse Rolle. Dann werde man zum Vorstellungsgespräch geladen, wobei der persönliche Gesamteindruck - die Aufgeschlossenheit beim Gespräch etwa, aber auch Offenheit und Kommunikationsfähigkeit – schließlich den Ausschlag gebe. Ein "Renner" beim Niedernburger Berufsinformationstag war neben einer Weiterbildung an der Fachoberschule auch die Berufslaufbahn bei der Polizei. "Ein großes Plus ist bei der Polizei die Krisensicherheit des Berufs und seine Vielfältigkeit", meint dazu Einstellungsberater Andreas Samböck. Außerdem verdiene man schon in der Ausbildungszeit recht gut. Was im Polizeidienst allerdings vielfach unterschätzt werde, sei die nötige körperliche Fitness. Bankdrücken, Sit-ups, der Cooper-Test für die Ausdauerleistung beim Laufen oder auch das Schwimmen gehörten dazu. Auch eine Mindestgröße von 1,65 Metern oder ein Mindestgewicht von 50 Kilogramm seien erforderlich. Und dass man mit dem Gesetz noch nicht in Konflikt geraten sei, verstehe sich bei einer Bewerbung für den Polizeidienst von selbst. Insgesamt bestätigt auch die Niedernburger Schulberaterin der Agentur für Arbeit, Sabine Farago, eine gewisse Voreingenommenheit der Mädchen. "Nach meinem Eindruck ist der Trend hin zur schulischen Weiterbildung ungebrochen", sagt sie. Viele Mädchen strebten über die FOS ein Studium an. Gleich danach aber rangiere der Sozialbereich mit der Physio- oder Ergotherapeutin, der Kranken- oder Kinderkrankenschwester beispielsweise. Und an dritter Stelle folge dann der Bürobereich in allen Varianten. Dass sich Mädchen zunehmend auch der Technik öffneten, könne sie leider nicht feststellen.

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