Home
Die BAP

Leuchttürme im Nebel der Erinnerung

Absolventen der BAP-Geronto-Psychiatrie-Weiterbildung präsentieren Projekte

Sehr beeindruckt zeigte sich das Prüfungsgremium von der Vielfalt und der praktischen Wirkung der präsentierten Projekte im Rahmen der Weiterbildung Gerontopsychiatrische Pflege und Betreuung an der Berufsakademie Passau (BAP).

21 Absolventen aus dem Praxisfeld der Altenpflege und Seniorenbetreuung bewiesen nach 15-monatiger Weiterbildungsdauer, dass sie sehr gut in der Lage sind, die Lerninhalte zum Wohle von Menschen mit Demenz in die Tat umzusetzen. Einen wesentlichen Beitrag zur Betreuung von Menschen mit Demenz stellt die Förderung der Wahrnehmung und die Stimulation der einzelnen Sinne dar. Insofern gab es in den Projekten keinen Mangel: Anregung durch Sinnesgärten, Einführung eines Sinneswagens, Anlegen eines Sinnesganges, Räucherdüfte oder Hochbeetanlagen mit Kräutern und mehrere weitere Angebote zeigten sehr deutlich die positive Wirkung für die Zielgruppe. Demenzbetroffene werden ruhiger, neigen weitaus weniger zum Weglaufen, nehmen ihre Umgebung wieder deutlicher wahr und zeigen deutlich reduziertes herausforderndes Verhalten. Ein weiterer großer Projektschwerpunkt galt dem Bereich der Ernährung und Flüssigkeitsversorgung. Menschen mit Demenz verspüren ein verringertes Hunger- und Durstgefühl, vergessen das Essen und Trinken oder sind nicht mehr in der Lage, das Essbesteck sinnvoll einzusetzen. Die Projekte befassten sich demnach mit der geschmacklichen Anreicherung von Speisen, der Schaffung eines appetitfördernden Umfelds oder dem Finger Food, einem speziell für Demenzkranke entwickelten kulinarischen Angebot, bei dem herkömmliche Speisen unter Verwendung spezieller Kochtechniken so zubereitet werden, dass sie mit den Fingern gegessen werden können. Im Ergebnis war bei nahezu allen Projektphasen eine Gewichtszunahme der Heimbewohner und eine regelmäßige Nahrungszufuhr zu beobachten. Mehrere Projekte befassten sich mit der Biografiearbeit bei alten Menschen. So konnte beispielsweise in einer stationären Altenhilfeeinrichtung eine Werkstatt für Männer, in einer anderen ein Büro mit alten Büromaschinen für ehemalige Büroberufe geschaffen werden. Dadurch können verloren geglaubte Fähigkeiten aus dem biografischen Werdegang des Menschen reaktiviert und gezielt in die Tagesgestaltung einbezogen werden, was wiederum das Selbstwertgefühl der Menschen mit Demenz steigert und den Einsatz von Psychopharmaka reduziert. Nicht nur von den praktischen Projekten und deren Wirkungen war das Prüfungsgremium mit Joachim Berga, Jakob Schöfberger und Ulrich Becker-Wirkert angetan, sondern auch von den erzielten Leistungen in den mündlichen und schriftlichen Modulprüfungen nach der Ausführungsverordnung zum Bayerischen Wohn- und Pflegequalitätsgesetz. Nicht weniger als ein Drittel der Weiterbildungsteilnehmer konnten mit der Gesamtbewertung sehr gut abschließen. Eine besondere Erwähnung fanden dabei Sabine Gschwendtner und Heidi Geißler. Sie schafften in allen Prüfungsteilen die Note 1,0. "Uns ist nicht bange um unsere Menschen mit Demenz!" betonten unisono Fortbildungsleiter Joachim Berga und Prüfer Jakob Schöfberger und überreichten anlässlich der Abschlussfeier zusammen mit Dozentin Beate Ramisch gerne die Zertifikate an die Weiterbildungsteilnehmer. Die Projektergebnisse stellten sehr deutlich das Leistungsvermögen der professionellen Altenpflege dar, insbesondere da die meisten Projekte Nachhaltigkeit zeigen und im künftigen Angebot der beteiligten Seniorenheime, ambulanten Dienste und Tagespflegeeinrichtungen fest verankert werden. Sie sind für die Demenzbetroffenen die künftigen Leuchttürme im immer dichter werdenden Nebel ihrer Erinnerungen. - job Foto: privat