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Die BAP

Motivation zur Integration

Deutschkurse für Flüchtlinge an der BAP werden von der Arbeitsagentur gefördert - und gut angenommen

"W-I", dann ein Zögern. "E", ein Zwischenruf. "D-E-R-S-E-H-E-N" kommt es aus der ersten Reihe. Mit vereinter Kraft buchstabieren die Schüler des Einstiegskurses an der Berufsakademie Passau (BAP) das Wort. Die Lehrerin Michaela Maier legt die Finger wie Ringe um die Augen und erklärt: Wenn man sich persönlich sieht, heißt es "Auf Wiedersehen". Sie tut, als würde sie telefonieren: "Und wie sagt man am Telefon?" "Auf Wiederhören", tönt es aus der Klasse.
Einstiegskurse: Michaela Maier unterrichtet Flüchtlinge und Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive einsprachig - mit Hilfe von Symbolen und Gesten

Einstiegskurse: Michaela Maier unterrichtet Flüchtlinge und Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive einsprachig - mit Hilfe von Symbolen und Gesten

23 Flüchtlinge und Asylbewerber, davon 15 aus Syrien und 8 aus Eritrea, lernen derzeit in der BAP Deutsch. Seit November fördert die Bundesagentur für Arbeit Passau Anfängersprachkurse für Migranten, die aus Eritrea, Syrien, Iran und Irak stammen und somit eine gute Bleibeperspektive haben (PNP berichtete). Die Teilnehmer im BAP sind zwischen 15 und 38 Jahre alt, sie sind überwiegend im Landkreis, unter anderem in Hauzenberg, Wegscheid und Aidenbach, untergebracht. Bis April fahren sie von dort aus mit dem Ökoticket per Bus nach Passau, um insgesamt 320 Unterrichtsstunden zu absolvieren – von Montag bis Freitag, mit je drei Lehreinheiten am Nachmittag. "Regelmäßigkeit ist wichtig, sie schafft Strukturen, bereitet auf das künftige Arbeitsleben vor und bringt den Asylbewerbern die Arbeitsweise der Deutschen näher", sagt BAP-Projektleiterin Christine Lindmeier. Vermittelt werden soll aber nicht nur Deutsch, sondern auch Landes- und Staatsbürgerkunde. Obwohl es erst die dritte Kurswoche ist, stehen schon Begriffe wie "Postleitzahl" und "Hausnummer" an der Tafel. Mithilfe der Sprache sollen die Teilnehmer Deutschland kennen lernen und für ein Leben hier vorbereitet werden. "Die Motivation ist außerordentlich. Ich war begeistert, als ich sah, wie gerne sie alle mitarbeiten und sich bemühen", erzählt Barbara Brauckmann, Geschäftsführerin der Akademie. Lindmeier bestätigt: "Man spürt die Dankbarkeit, Deutsch lernen zu dürfen. Sie sind sich der Chancen bewusst, die Sprachkenntnisse für die berufliche Integration mit sich bringen." Dass die Asylbewerber und Flüchtlinge integrationswillig sind, zeigte sich auch in der Akquisition: Zwar haben Helferkreise und das Wirtschaftsforum geholfen, Teilnehmer für die Kurse zu finden, Viele sind aber von selbst gekommen. Durch Mundpropaganda hatte sich das Angebot rumgesprochen. Angesichts des Andrangs hat die BAP auch einige lernbegierige Migranten abweisen müssen: Entweder weil sie aus sicheren Herkunftsländern kamen und damit nicht gefördert werden, oder weil der Kurs voll war. Die Förderung der Arbeitsagentur war sehr kurzfristig freigegeben worden – die Kapazitätsgrenzen der BAP sind im Moment erreicht, eine zusätzliche Lehrkraft ist eingestellt worden. Einen Grund auf die Arbeitsagentur zu schimpfen, gebe es aber nicht, so Brauckmann. Im Gegenteil: "Es ist lobenswert, dass man so schnell reagiert hat. Und auch die Eingrenzung der Kurse auf jene mit guter Bleibeperspektive ist sinnvoll – allein schon was die organisatorische Machbarkeit betrifft", sagt die Geschäftsführerin. Allerdings sieht sie Verbesserungsbedarf. Wie geht es weiter, wenn die Förderung vorbei ist? Und wie schafft man es, die Migranten, sobald sie Deutsch können, in den Arbeitsmarkt zu integrieren? "Die Anerkennung der Zeugnisse und Qualifikationen, die in den Herkunftsländern entstanden sind, ist noch überaus schwierig. Da muss sich etwas ändern," betont sie. Die Motivation zur Integration sei jedenfalls da. Lerngeschwindigkeit und Leistung der Kursteilnehmer schwanke aber über ein breites Spektrum, so Lindmeier. "Wie in jeder anderen Gesellschaft auch", fügt Brauckmann hinzu. Jeder Asylbewerber ist eben anders. Semret Medhane und Embet Selemon Shibabaw zum Beispiel. Sie sind zwei der insgesamt vier Mädchen im Kurs und kommen aus Eritrea. Fünf Jahre haben sie dort die Schule besucht. Embet greift noch lieber auf Englisch zurück, Semret bevorzugt hingegen Deutsch – sie ist schon seit über einem Jahr in Deutschland und arbeitet als Zimmermädchen. Freundlich seien die Deutschen und die Lehrerin sei sehr nett, da sind sie sich einig. Beide wollen in Deutschland bleiben und arbeiten. "Im Hotel", ist sich Semret sicher, da gefalle es ihr nämlich – Embet hat sich hingegen noch nicht festgelegt. Was denn das erste Wort gewesen sei, das sie in Deutschland gelernt haben, wollte die PNP wissen. "Hallo", sagt Semret. Damit es auch auf dem Arbeitsmarkt beim "Hallo" bleibt und nicht zum "Auf Wiedersehen" kommt, muss nach Ansicht von Brauckmann aber noch einiges passieren: "Der Integrationserfolg ist auch davon abhängig, die Lebensläufe im Blick zu behalten, d.h. auch nach den Sprachkursen dranzubleiben, zum Beispiel durch erleichterte Anerkennung der ausländischen Qualifikationen und einer diesbezüglich besseren Vernetzung der Wirtschaft." Foto: Jäger/pnp
  • Aus Eritrea: Semret Medhane und Embet Selemon Shibabaw (von links)

  • Neue Wörter übern: Hassan Alahamad Bek an der Schultafel