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Die BAP

So werden Migranten fit für den Arbeitsmarkt

"Mir gefällt es hier in Deutschland, hier kann man leben und arbeiten ohne Angst", sagt Eman Al Riss. Sie ist in Damaskus geboren und flüchtete vor einigen Jahren zusammen mit ihrem Ehemann und den Kindern aus ihrer syrischen Heimat. Drei Jahre lebt sie nun in Fürstenzell bei Passau.

In ihrer Heimat absolvierte die Mutter von vier Kindern eine Ausbildung zur Kosmetikerin und Friseurin. Hier in Deutschland werden ihre Dokumente nicht anerkannt. Das erschwert die Suche nach einer Arbeitsstelle zusätzlich. Arbeitssuchenden Flüchtlingen wie Eman greift die Berufsakademie (BAP) Passau nach der Vermittlung durch die Arbeitsagentur und die Jobcenter seit September 2016 tatkräftig unter die Arme. Das Projekt "Integration in den Arbeitsmarkt" richtet sich an Flüchtlinge, Asylbewerber und Migranten und unterstützt sie auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die BAP bietet schon seit einigen Jahren Projekte für Migranten an. Nach der Flüchtlingswelle 2015 wurde schließlich das neue Projekt gestartet. Schwerpunktmäßig geht es innerhalb dieser Maßnahme vor allem um das Erlernen der deutschen Sprache und den Kontakt mit dem Arbeitgeber. Das Projekt folgt dem Konzept einer dualen Ausbildung. So finden während der elfmonatigen Maßnahme Unterrichts- und Praktikumsblöcke im Wechsel statt. In den Theoriestunden werden den Teilnehmern unter anderem sprachliche Grundlagen für den Beruf, deutsche Landes- und Staatsbürgerkunde sowie interkulturelle und soziale Kompetenzen vermittelt. Daneben sollen sich die Migranten mit den deutschen Bewerbungstechniken vertraut machen. "Wichtig ist uns die Vorbereitung auf die Arbeitssituation, dass man sich beispielsweise im Krankheitsfall beim Arbeitgeber entschuldigen muss", erklärt Barbara Brauckmann, Geschäftsführerin der Berufsakademie. Während des Praktikumsblocks, der jeweils bis zu acht Wochen dauern kann, sollen schließlich vorhandene Qualifikationen mit branchenspezifischem Fachwissen verknüpft werden. Die Praktika werden im Hotel- und Gastronomiegewerbe, in der Pflege sowie im IT-Bereich und dem sprachlich-kaufmännischen Bereich absolviert. Die Migranten können während des Projekts bis zu drei Praktika durchlaufen, um sich idealerweise zum Ende des Schuljahres für einen Arbeitsbereich zu entscheiden. Laut Braukmann ist das Ziel, die Migranten nach Möglichkeit sofort in den Arbeitsmarkt zu integrieren. "Sie sollen nicht auf der Helferlinie hängen bleiben", äußert sich die Geschäftsführerin. Aktuell sind 23 Teilnehmer in das Projekt involviert. Sie alle haben Ende Dezember ihren ersten Praktikumsblock bei einem regionalen Unternehmen abgeschlossen und befinden sich seit Anfang Januar wieder in der Unterrichtsphase. Im Klassenraum sitzen sowohl Männer als auch Frauen. Und sie sind ganz unterschiedlicher Herkunft. "Beim Großteil der Teilnehmenden handelt es sich um Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, dem Kongo und aus Eritrea, außerdem unterrichten wir aber auch Migranten aus Polen, Tschechien und eine Frau aus China", erklärt Projektleiterin Barbara Renaltner, die das Programm auch als Lehrerin unterstützt. Es sei wichtig, dass es sich bei den Teilnehmern um eine gemischte Gruppe von Migranten und nicht nur um Flüchtlinge handle, damit sich die Teilnehmenden untereinander austauschen können, erklärt Brauckmann. Dass das Konzept aufgeht bemerkt auch Lehrerin Barbara Renaltner: "In der Klasse herrscht eine bemerkenswerte Gruppendynamik, die Teilnehmer motivieren, unterstützen und akzeptieren sich gegenseitig." In ihren Heimatländern sind viele der Teilnehmenden es nicht gewohnt, täglich einer Tätigkeit nachzugehen. Sie habe anfangs Bedenken gehabt, ob ihre Schüler einen Acht-Stunden Tag durchhalten würden, äußert sich die Projektleiterin, aber jeder der Teilnehmer habe die Praktikumsphase konsequent durchgezogen. Einige der Migranten befinden sich sogar schon in der Bewerbungsphase und bei wieder anderen hängt die Festanstellung nur noch vom Erreichen des Sprachniveaus B1 ab. Ein solch positives Arbeitsverhältnis herrschte auch zwischen Eman Al Riss und ihrem Arbeitgeber. Sie absolvierte ihr Praktikum im Seniorenheim "Azurit" in Fürstenzell. Dort arbeitete Al Riss in der Verwaltung unter Leitung von Elisabeth Kaiser. Diese äußert sich durchweg positiv über ihre Praktikantin: "Wir haben viel von Eman gelernt!" Der Austausch zwischen den zwei Kulturen sei spannend und für beide Seiten bereichernd gewesen. Auch Al Riss selbst hat das Praktikum im Seniorenheim gut gefallen, ihre nächste Praxisphase möchte sie allerdings in einem anderen Bereich durchlaufen. "Weitere Praktika sind sehr wichtig für mich, damit ich die richtige Richtung einschlagen kann." Natürlich gibt es aktuell auch Arbeitgeber, die einem Arbeitsverhältnis mit Migranten skeptisch gegenüberstehen. Laut Renaltner müsse die Arbeitsseite den Flüchtlingen in solchen Fällen einen Schritt entgegenkommen. "Natürlich fehlen den Flüchtlingen oft die arbeitsrelevanten Dokumente, aber sie erlernen den praktischen Teil eines Berufs genauso wie ein Deutscher", gibt die Projektleiterin zu bedenken. Zwischen dem letzten Praktikumsblock finden im Juli die Abschlussprüfungen statt, im September startet die BAP die zweite Runde des Projekts "Integration in den Arbeitsmarkt".-- pnp Lena Schönleben; Foto Jäger, pnp