Home
Die BAP

Übertrittsquoten sprechen für sich

Vorklasse für Pflegeberufe und Altenpflegehilfeschüler lernen voneinander

Von Lukas Heidenreich

Gutes Deutsch sprechen und die ersten Handgriffe beherrschen: das ist das Ziel der Vorklasse an der Berufsakademie Passau. In diesem Schuljahr wird die „Vorklasse für Pflegeberufe“ nach 2017/18 bereits zum zweiten Mal angeboten. Das innovative Projekt ist ein Schulversuch und wird vom Bayerischen Kultusministerium finanziert.

Barbara Brauckmann, Geschäftsführerin der BAP, ist mit der Vorklasse sehr zufrieden: „Nach den großen Flüchtlingswellen und dem generellen Fachkräftemangel in der Pflege ist dieses Projekt einfach toll. Wir bereiten die Frauen und Männer auf eine Ausbildung im Bereich Pflege vor. Sie lernen gutes Deutsch zu sprechen und die Basics am Patienten“, so Brauckmann. Neben dem normalen Schulbetrieb versuchen die Lehrkräfte besondere Veranstaltungen zu organisieren. Thema des letzten Projekts war „Thrombose“. Das Besondere an solchen Terminen ist, dass neben den Vorklässlern auch die Auszubildenden der Altenpflegehilfe mit dabei sind. Ximena Carrasco, Klassenleiterin der Vorklasse erklärt: „Die Zusammenführung der zwei Kurse hat das pädagogische Ziel, den Schülern das selbstgesteuerte Lernen näherzubringen. Die Schüler leiten sich gegenseitig an und lernen so voneinander. Außerdem ist Zusammenarbeit das beste Sprachtraining.“ An fünf Stationen konnten die Schüler lernen und ausprobieren. Jeder war Patient und Pfleger zugleich, da jeder in eine Rolle schlüpfen musste. Miriam Holl-weck, Berufspädagogin an der BAP, erzählt: „Wir bringen den Menschen hier nicht nur die Sprache und die Arbeitsschritte bei, sondern auch das kulturelle Verständnis und die notwendige Empathie. Oft sind die Pfleger die letzten Bezugspersonen für Patienten. Deswegen fragen wir manchmal nach der Biographie um ein Gespräch zu führen. So fühlen sich die Patienten wohler und gut aufgehoben.“ Videos und Skripte helfen dabei, die Aufgaben vorzubereiten und danach auszuführen. 18 Männer und Frauen aus neun Ländern sind Teil der Vorklasse. Die Lehrgangsleitung der Altenpflegehilfe-Ausbildung Ramona Vlatten-Kroiß erzählt ganz stolz: „Sie sind alle sehr ehrgeizig. Sie wollen auch die deutsche Kultur verstehen. Am Anfang ist es schon vorgekommen, dass nicht jeder immer pünktlich war. Aber mittlerweile sind es nur noch Ausnahmen. Sie bemühen sich sehr.“ Dieses große Interesse zahlt sich aus, wie Barbara Brauckmann verdeutlicht: „Die Übertrittsquoten sprechen für den Erfolg dieses Projekts. Im letzten Schuljahr haben 17 Menschen die Vorklasse besucht und 14 danach eine Ausbildung in der Pflege angefangen. Dieses Jahr waren es 24 neue Schüler, von denen voraussichtlich 19 in der Pflege aktiv bleiben.“ Um weitere Einblicke in die Berufswelt zu bekommen sind zwei Praktika à drei Wochen vorgesehen. Die Bereiche Pflege und Betreuung sind die Hauptaufgaben, damit möglichst echte Einblicke für die Schüler gegeben sind. „Es macht auf jeden Fall Sinn die Schüler in ein Praktikum zu schicken. So sehen sie, wie es ist in Betrieben zu arbeiten. Gleichzeitig lernen sie von erfahrenen Pflegern den einen oder anderen Handgriff. Das hilft ihnen auch, später den Spagat zwischen Altenpflegehilferausbildung und der Arbeitswelt zu meistern“, so Vlatten-Kroiß. Die Vorklasse für Pflegeberufe ist als Schulversuch bis Juli 2020 begrenzt, deswegen setzen die Lehrkräfte alles daran, das Bayerische Kultusministerium davon zu überzeugen, dieses Projekt weiter am Leben zu halten.