05.10.2015

Altenpflegeausbildung in der Schwebe

Ab 2016 soll die generalistische Ausbildung Einzug in die Pflegebranche erhalten. Ein umstrittenes Modell, wie die MdL Walter Taubeneder und Dr. Gerhard Waschler bei ihrem Besuch in der Berufsakademie Passau ( BAP) erfuhren. Mit BAP-Geschäftsführerin Barbara Brauckmann und Joachim Berga, dem Schulleiter der Altenpflegeschule an der BAP, haben sich die Abgeordneten über weitere Entwicklungen an der Schule, aber auch Befürchtungen gegenüber der geplanten Reform ausgetauscht. So sollen die bisherigen Ausbildungen in den Pflegeberufen abgeschafft und durch die generalistische Ausbildung zur Pflegefachfrau beziehungsweise zum Pflegefachmann ersetzt werden. "Bereits der Entwurf zur generalistischen Ausbildung der Bundesregierung hat für Furore gesorgt – besonders hinsichtlich der Finanzierung", betont Joachim Berga und stellt in Frage, ob das bisherige Berufsbild der Altenpflege mit Einzug der generalistischen Ausbildung überhaupt noch erhalten bleiben könne. "Ich sehe Verluste mit Einführung der Generalistik, vor allem bei den theoretischen Inhalten", ergänzt der Schulleiter. Darunter hätten letztlich auch die Kliniken zu leiden. Noch getrennte Arbeitsfelder in der Pflege wie Alten-, Kranken- und auch die Kinderkrankenpflege würden dann zusammengeschmissen – "das geht natürlich auf Kosten des Lehrplans." Berga befürchtet, dass speziell in der Altenpflege theoretische Inhalte, beispielsweise in der Demenzbetreuung, völlig untergehen. "Wenn Ausbildungsinhalte tatsächlich wegfallen, wird es den Auszubildenden letztlich in einigen Bereichen an Tiefe fehlen", gibt er zu bedenken. Natürlich gingen wie überall auch bei der Generalistik die Meinungen auseinander: "Insbesondere Krankenpflegeverbände sind dafür; die Einrichtungen der Altenpflege eher besorgt. Letztere befürchten, dass bei einer einheitlichen Ausbildung viele Auszubildenden der Altenpflege schließlich in Krankenpflege wechseln werden." Dabei sei die Nachfrage nach Fachkräften in der Altenpflege sehr groß. "Allein in der Berufsakademie in Passau haben wir 91 Schüler, die hier ihre Ausbildung zur Altenpflegefachkraft machen, weitere 26 Schüler absolvieren derzeit die Ausbildung zum Altenpflegehelfer", so Geschäftsführerin Barbara Brauckmann. Auch der Bereich der Fort- und Weiterbildungen boome. "Das Hauptproblem ist der wachsende Bedarf an Pflegekräften insgesamt. Der demographische Wandel prophezeit es uns", so MdL Walter Taubeneder. In unserer Region sei die Versorgung momentan noch sichergestellt – "in den Ballungszentren sieht die Situation schon ganz anders aus und der Mangel an Pflegekräften wird auch uns irgendwann erreichen", so der Abgeordnete. Einige Modellversuche zur generalistischen Ausbildung laufen bereits. Laut Schulleiter Joachim Berga brechen Kollegen, die eine Erprobungsphase mitlaufen, nicht in Euphorie aus. "Die Lehrpläne sind alles andere als ausgereift und auch die Finanzierung ist unklar", gibt die Geschäftsführerin zu bedenken. Insgesamt bereite die Einführung der generalistischen Ausbildung der Altenpflegeschule an der Berufsakademie in Passau eher Sorgen. "Wir wissen einfach nicht, in welche Richtung es geht, müssen unsere Schüler jedoch bei der Stange halten", so Brauckmann. "Wir werden die Schilderungen mit nach München nehmen und in den zuständigen Ausschuss als Diskussionsgrundlage weitergeben", so MdL Dr. Gerhard Waschler. Die Pflege, in welcher Form auch immer, betreffe irgendwann jeden von uns. Foto folgt

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