08.08.2016

Die bajuwarischen Spanier


Mehr Integration geht eigentlich nicht. Alfredo de Corral Bosco aus Malaga hat seinen großen Auftritt – in Lederhosen und Haferlschuhen kommt er ins Heilig-Geist-Stift und bestellt sich... richtig, ein Weißbier. "Das ist mein Lieblingsbier", sagt Alfredo und nimmt zufrieden einen großen Schluck. Es gibt schließlich auch etwas zu feiern. Und zwar die ersten erfolgreichen Absolventen des "Care for Care"-Projekts der Berufsakademie Passau (BAP).

2013 startete dieses Projekt. Die Idee dahinter: Junge Europäer, zum allergrößten Teil Spanier, die in ihren Ländern auf Grund der wirtschaftlichen Lage Schwierigkeiten haben, einen Ausbildungsplatz zu finden, sollen angeworben werden. Um damit wiederum in Passau qualifizierte Fachkräfte zu erhalten – und zwar in Berufsfeldern, wo man sich zunehmend schwer tut, überhaupt geeignetes Personal zu finden. Ein Win-Win-Situation für beide Seiten also. Das Hauptaugenmerk des Projekt lag dabei von Anfang an auf der Anwerbung von Altenpflege-Nachwuchs. Zwei Spanier und ein Ungar sind nun nach drei Jahren die ersten erfolgreichen Absolventen des Förderprogramms. Sie haben ihre Lehre erfolgreich durchlaufen und starten nun in ihr Berufsleben in Passau. "Das ist ein Erfolg", sagt Barbara Brauckmann, Geschäftsführerin der BAP, bei der kleinen Feier im Heilig-Geist-Stift. "Auch wenn etwas wenig Leute übrig geblieben sind." Zehn Kandidaten starten vor drei Jahren in das Projekt. Neben den drei erfolgreichen Absolventen haben zwei andere andernorts in Deutschland einen Job gefunden, der Rest ist zurück in die Heimat. Es ist aber auch kein leichter Weg, den die größtenteils spanischen Neuankömmlinge zu gehen hatten. Der Ausbildung waren bereits in Spanien ein Deutschkurs, dann ein Deutsch-Intensivkurs in Passau und ein Praktikum vorgeschaltet. Und neben der Ausbildung mussten die Fachkräfte in spe natürlich auch weiterhin eifrig Deutsch pauken. Finanziell unterstützt bei Sprachkursen oder Reisekosten wurden die Neuankömmlinge dabei durch eine Förderung des Bundesarbeitsministeriums. "Im ersten Jahr habe ich gar nichts verstanden", erzählt der Ungar Ariel Markus, der nun in der Altenpflege anfangen wird. "Das dritte Schuljahr ging schon mit links." Für den 32-Jährigen hat sich der Schritt nach Passau definitiv gelohnt: "Ich habe hier einen neuen Beruf und meine Berufung gefunden."Aller Anfang ist schwer – davon kann auch der Spanier Miguel Angel Caparros ein Lied singen. Im ersten Jahr habe er den Stoff für die Prüfungen in der Altenpflegeschule immer komplett auswendig gelernt und dann zu Papier gebracht. "Verstanden, warum es geht, habe ich aber nicht", sagt der 39-Jährige heute lachend. Kein Wunder, schließlich mussten die Absolventen nicht nur deutsch, sondern bei vielen bayerischen Mitschülern und Lehrern auch noch diesen schweren Dialekt lernen. "Wir wissen, was das für eine Leistung war. Wir haben es schließlich von Anfang mitbekommen", sagt Barbara Brauckmann von der Berufsakademie. Und hebt besonders ihre Mitarbeiterin Patricia Vasquez hervor, die für die jungen Ausländer eine ständige Ratgeberin und Motivatorin in schwierigen Zeiten war.Zwei weitere Jahrgänge mit jungen Europäern werden übrigens derzeit von der BAP ausgebildet. Auch Wirt Fritz Mayer hat in seiner Heilig-Geist-Stiftsschenke junge Spanier zur Ausbildung und ist sehr zufrieden: "Ich wäre nicht in der Lage, in zwei Jahren so gut spanisch zu lernen, wie die deutsch." So richtig durchbeißen mit der deutschen Sprache musste sich Alfredo de Corral Bosco. "Aber in der letzten Zeit hat er noch einmal einen richtigen Sprung gemacht", lobt Anton Hoft von der gleichnamigen Passauer Bäckerei. Dort hat Alfredo seinen Traumjob gefunden. Und das mit der bayerischen Mentalität, das liegt dem Lederhosenträger ja sowieso... -Dominik Schweighofer - Foto: Dominik Schweighofer - pnp

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