11.11.2016

Pflegeversicherung ist keine Vollkasko


Auch wenn mit dem Pflegestärkungsgesetz, kurz PSG II, die Geld- und Sachleistungen ab 2017 ausgedehnt werden, bietet die soziale Pflegeversicherung keinen Vollkaskoschutz.

Das betonte Reinhold Dirndorfer, Leiter der AOK-Pflegekasse, bei einem Infoabend zusammen mit der Berufsakademie Passau (BAP). Beide Einrichtungen – die BAP verantwortet die Altenpflegeschule – sind täglich mit der Pflege betraut, jetzt klären sie im Schulterschluss über die wesentlichen Neuerungen auf. Der Gesetzgeber sehe auch die Familienangehörigen in der Pflicht, zudem helfe der Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung. "Die Pflege wird auch künftig finanzierbar bleiben, es stellt sich vielmehr die Frage, wer uns in Zukunft pflegt", sagt Dirndorfer, der mit Pflegeberaterin Nadine Röhl davon ausgeht, dass ausländische Pflegekräfte eine immer größere Rolle spielen. Künftig steht bei der Begutachtung der individuelle Unterstützungsbedarf, also die Selbstständigkeit jedes Einzelnen im Mittelpunkt. Entscheidend ist dann, wie selbstständig ein pflegebedürftiger Mensch ohne Hilfe sein Leben führen kann. Es wird keine Rolle mehr spielen, ob körperliche oder geistige Beeinträchtigungen zur Pflegebedürftigkeit führen. "Damit wird Menschen mit Demenz ein besserer Zugang zur Pflege ermöglicht als bisher", erklärt Dirndorfer und ergänzt, dass die Schwere der Pflegebedürftigkeit in fünf Pflegegraden statt in den bisherigen drei Pflegestufen abgebildet wird. Die bisherigen Pflegestufen orientieren sich am Zeitaufwand. Maßstab der neuen Pflegegrade hingegen ist der Grad der Selbstständigkeit. Versicherte, die bereits Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen, werden automatisch in den entsprechenden Pflegegrad übergeleitet. Klaus Grübl, Dozent der BAP, setzte der Veranstaltung das Sahnehäubchen auf. Er zeigte mit seinem "Humor-Vortrag", wie wichtig es ist, etwas Gelassenheit in den Alltag einziehen zu lassen. "Man muss sich selber immer wieder was Gutes tun", betonte Grübl, der eine Ausbildung zum therapeutischen Clown absolvierte und Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen vorstellte. Nächster Info-Abend am Montag, 14. November, 18 bis 20 Uhr, in der AOK, Neuburger Straße 92. Rückfragen und Anmeldung unter 0851/5302306. − red

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