10.10.2017

Neue Ärzte für Bayern

Berufsakademie Passau bereitet Ärzte aus dem Ausland für ihre Fachsprachenprüfung vor


 „Herr Doktor, was fehlt mir denn eigentlich?“ Um Fragen wie diese souverän und verständlich beantworten zu können, feilen seit letzter Woche elf Ärzte aus vier Ländern an der Berufsakademie Passau an ihrem Deutsch. Ziel ist die erfolgreiche Fachsprachenprüfung vor der Bayerischen Landesärztekammer.

 „Herr Doktor, was fehlt mir denn eigentlich?“ Um Fragen wie diese souverän und verständlich beantworten zu können, feilen seit letzter Woche elf Ärzte aus vier Ländern an der Berufsakademie Passau an ihrem Deutsch. Ziel ist die erfolgreiche Fachsprachenprüfung vor der Bayerischen Landesärztekammer.

Sechs Monate lang lernen zwei Ärztinnen und neun Ärzte fünf Tage die Woche fünf Stunden, um ihr Deutsch auf ein C1-Niveau zu bringen und ihre medizinische Fachsprache soweit zu entwickeln, dass sie Gespräche mit Patienten oder Arztkollegen und die Dokumentation reibungslos führen können. Dabei stehen allgemeinsprachliche wie fachsprachliche Elemente auf dem Stundenplan.

Vermittelt werden die Inhalte von zwei erfahrenen Lehrerinnen für Deutsch als Zweitsprache und zwei Ärzten. Mit Dr. Heinz-Peter Sedlmaier, ehemaliger Chefarzt im Krankenhaus Wegscheid, und Dr. Wolfgang Baier, der lange Jahre als Kinderarzt in Passau tätig war, konnte die Berufsakademie Passau zwei verdiente Mediziner als Fachdozenten gewinnen.

Seit 1. April ist es für Ärzte aus dem Ausland erforderlich, eine Fachsprachenprüfung vor der Bayerischen Landesärztekammer abzulegen, wenn sie die Approbation erhalten wollen. In dieser Prüfung müssen die Prüflinge beweisen, dass sie Dokumentationen einwandfrei erstellen, ein Arzt-Patienten-Gespräch gut verständlich und sicher durchführen können, und die Kommunikation mit anderen Ärzten korrekt und reibungslos klappt.

„Auch wenn die BAP viel Erfahrung in der Vermittlung von Deutsch als Zweitsprache hat, ist dieses Pilotprojekt dennoch eine Herausforderung für alle Beteiligten“, berichtet die Projektleiterin Christine Lindmeier. Die Aufgaben eines Mediziners sind sehr komplex und untrennbar mit einer guten Kommunikation verbunden. Wenn diese dann noch in einer Sprache erledigt werden müssen, die nicht die Muttersprache ist, wird es schwierig. Und wenn Patienten Bairisch sprechen, wird es noch schwieriger. Krank zu sein ist für den Betroffenen eine belastende Situation und bedarf einer guten medizinischen Behandlung ebenso wie einer einfühlsamen Kommunikation von Arzt zu Patient.


Bis zum 1. April war es ausreichend, wenn Ärzte aus dem Ausland ein Deutsch-Niveau B2 mit einem Zertifikat nachweisen konnten. In der Praxis hat sich gezeigt, dass dieses Sprachniveau nicht ausreicht. Deshalb hat das Bayerische Gesundheitsministerium mit der Landesärztekammer eine Verfahrensordnung vereinbart, um die Fachsprache der ausländischen Ärzte eigens abzuprüfen. In anderen Bundesländern ist eine gesonderte Sprachprüfung für Mediziner, die ihren Abschluss nicht in Deutschland erworben haben, schon länger Pflicht.

Juan Christian Marcelo Alvarez Lopez aus Ecuador, der bereits auf einer Palliativstation in einer Privatklinik in Ecuador gearbeitet hat, weiß: „Es ist schwierig, wenn man über seine Krankheit sprechen will. Da ist es wichtig, dass Arzt und Patient sich wirklich gut verstehen. Außerdem muss man als Mediziner viele Dokumente ausfüllen. Und die müssen richtig sein.“ Sein Landsmann Juan Fernando Chavez Reinoso bestätigt: „Sprechen ist schwierig.“ Wenn er die Approbation erhält, möchte er sich spezialisieren, entweder auf dem Fachgebiet der Orthopädie oder der Gastroenterologie. Er schätzt die gute Technologie, die ein Arzt in Deutschland zur Verfügung hat. Sehr ambitioniert zeigt sich auch Ruta Novikaite aus Litauen, die seit Juni in Deggendorf lebt. „Ich mache diesen Kurs nicht nur wegen der Fachsprachenprüfung und der Approbation. Ich möchte als Ärztin so professionell wie möglich arbeiten, dazu gehört auch eine perfekte Sprache.“

Den sprachlichen Hürden in akademischen Heilberufen für Migranten hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Rechnung getragen und das sogenannte „Spezialmodul C1 für Akademische Heilberufe“ entwickelt. Der Kurs an der Berufsakademie Passau wird diesem Rahmenkonzept entsprechend durchgeführt und kann über das BAMF gefördert werden. Damit ist der Vorbereitungskurs für die Teilnehmer kostenlos, solange sie nicht beschäftigt sind.

Es haben sich bereits weitere Ärzte aus dem Ausland bei der Berufsakademie Passau gemeldet, die ebenfalls einen Vorbereitungskurs für die Fachsprachenprüfung suchen. Für nächstes Jahr ist ein weiterer Kurs an der BAP geplant.

Infos zu weiteren geförderten berufsbezogenen Deutschsprachkursen an der Berufsakademie Passau unter www.bap-passau.de oder Tel.: 0851 720 88-32.

Quellnachweis: PNP_Stadtredaktion_07.10.2017

Bild: Die Kursteilnehmer mit Projektleiterin Christine Lindmeier (2.von links) , den unterrichtenden Ärzten Dr. Wolfgang Baier (links) und Dr. Heinz-Peter Sedlmaier (6. von rechts) sowie Deutsch-Lehrkraft Ines Böttcher Teixeira (3. von links)

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